Zuständig: Standesamt

1. Einleitung

Liebe Bürgerin!
Lieber Bürger!

Das Wort „Standesamt“ ist jedem Menschen ein Begriff. Es wird meistens mit „Heiraten“ in Verbindung gebracht.

Da aber das Standesamt natürlich auch eine Reihe anderer Aufgaben zu erledigen hat, haben wir diese Broschüre erstellt, die Ihnen in groben Zügen einen Überblick über sämtliche in den Zuständigkeitsbereich des Standesamtes fallende Tätigkeiten näher bringen soll.

Dazu ein kurzer Ausflug in die Geschichte.

„Standesämter“ gibt es in Österreich seit 01.01.1939 (eine Ausnahme bildet das Bundesland Burgenland - seit 1895 - Burgenland kam erst 1925 zu Österreich). Das heißt, sämtliche Personenstandsfälle (Geburten, Eheschließungen und Todesfälle), die sich ab diesem Zeitpunkt ereignet haben, mussten und müssen noch heute vom „Standesbeamten“ registriert (=beurkundet) werden. Daher lautet die fachlich korrekte Bezeichnung „Personenstandsbehörde“, da das Standesamt mit der Führung der Personenstandsbücher (Geburtenbuch, Ehe- u. Sterbebuch) betraut ist.

Personenstandsfälle, die vor dem 01.01.1939 eingetreten sind, wurden von den zuständigen Pfarrämtern registriert, es sei denn, der/die zu beurkundende Person war konfessionslos. In diesem Fall war die Bezirksverwaltungsbehörde zur Registrierung verpflichtet. Aus diesem Grund liegen beim ha. Standesamt das Geburtenregister (Jahrgänge 1872 bis 1938), das Eheregister (Eheschließungen 1872 bis Juli 1938) und das Sterberegister (Sterbefälle von 1931 bis 1937) des Magistrates der Stadt Wiener Neustadt auf.

Soviel zur Geschichte, nun aber zur Praxis.

2. Zuständigkeit des Standesamtes Wiener Neustadt

Wofür ist das Standesamt Wiener Neustadt zuständig?

I)   Im engeren  Bereich:

  1. Für die Beurkundung von Geburten, Eheschließungen (sowie deren Durchführung) und Sterbefällen, die sich innerhalb des Stadtgebietes Wiener Neustadt ereignen. 
  2. Ausstellen von Geburtsurkunden, Heiratsurkunden und Sterbeurkunden (nationale bzw. internationale Urkunden).
  3. Weiterführung der Personenstandsbücher unter Berücksichtigung etwaiger Änderungen, Berichtigungen oder Ergänzungen, die durch behördliche oder gerichtliche Entscheidungen eingetreten sind und den Personenstand betreffen.
  4. Ausstellen von beglaubigten Abschriften aus dem Geburtenbuch, Ehebuch und Sterbebuch.

II)   Im erweiterten Bereich:

  1. Ausstellen eines Ehefähigkeitszeugnisses für österr. Staatsbürger, die im Ausland die Ehe schließen wollen (Voraussetzung: der/die Antragsteller hat/haben seinen/ihren Hauptwohnsitz in Wiener Neustadt. Mit diesem Zeugnis wird bestätigt, dass nach österr. Recht kein Ehehindernis vorliegt – wird von vielen Staaten verlangt.
  2. Entgegennahme der Erklärung über die Wiederannahme eines früheren Familiennamens (Voraussetzung: der/die Erklärende ist österr. Staatsbürger/in und die Ehe ist bereits aufgelöst).
  3. Entgegennahme der Erklärung (tritt mit 30.04.2007 außer Kraft) über die Eintragung eines Doppelnamens in das Ehebuch (Voraussetzung: der/die Erklärende ist österr. Staatsbürger/in und die Ehe wurde vor dem 01.05.1995 geschlossen, gilt für bestehende Ehen sowie für bereits aufgelöste Ehen).
  4. Entgegennahme der Erklärung über die Wiederannahme eines früheren Familiennamens (Voraussetzung: der/die Erklärende ist österr. Staatsbürger/in und die Ehe wurde vor dem 01.05.1995 geschlossen und ist noch nicht aufgelöst).
  5. Entgegennahme der Erklärung über den Eintritt der namensrechtlichen Wirkung der Legitimation (nach Eheschließung der leiblichen Kindeseltern) oder der Annahme an Kindesstatt (Adoption), sofern die legitimierte oder adoptierte Person das 14. Lebensjahr vollendet hat.
  6. Entgegennahme der Erklärung über die Anerkennung der Vaterschaft zu einem Kind.
  7. Entgegennahme des Antrages über die Nachbeurkundung eines im Ausland eingetretenen Personenstandsfalles  (Voraussetzung: der/die Antragssteller/in ist österr. Staatsbürger/in).
  8. Neueintragung eines Personenstandsfalles (z.B. wenn jemand vor dem 01.01.1939 geboren ist und die Geburt von der damals auch in Wiener Neustadt ansässigen Israelitischen Kultusgemeinde registriert wurde, darüber aber keine Aufzeichnungen mehr vorhanden sind – Geburtenbuch der Israelitischen Kultusgemeinde ist in Verlust geraten).
  9. Entgegennahme des Antrages auf behördliche Vor- oder Familiennamensänderung (Voraussetzung: der/die Antragssteller/in ist österr. Staatsbürger und hat seinen Hauptwohnsitz in Wiener Neustadt).
3. Geburtsurkunde für Neugeborene

Wie kommt man zu einer Geburtsurkunde für ein neugeborenes Kind - Welche Dokumente sind wo abgzugeben?

Um die Geburt ordnungsgemäß beurkunden zu können, sind je nach Gegebenheit folgende Dokumente entweder im A.ö. Krankenhaus Wiener Neustadt oder beim Standesamt direkt vorzulegen!

a)  Kindesmutter ist ledig:

  1. Geburtsurkunde der Kindesmutter
  2. Meldebestätigung/Meldezettel der Kindesmutter (Hauptwohnsitz)
  3. Staatsbürgerschaftsnachweis der Kindesmutter (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

b)  Kindesmutter ist verheiratet:

  1. Heiratsurkunde der Kindeseltern
  2. Meldebestätigung/Meldezettel der Kindeseltern über den Hauptwohnsitz
  3. Geburtsurkunde der Kindeseltern
  4. Staatsbürgerschaftsnachweis der Kindeseltern (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

c)  Kindesmutter ist geschieden:

  1. Heiratsurkunde der Kindesmutter
  2. rechtskräftiges Scheidungsurteil oder Scheidungsbeschluss über die Auflösung der Ehe
  3. Geburtsurkunde der Kindesmutter
  4. Meldebestätigung/Meldezettel der Kindesmutter über den Hauptwohnsitz
  5. Staatsbürgerschaftsnachweis der Kindesmutter (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

d)  Kindesmutter ist verwitwet:

  1. Heiratsurkunde der Kindesmutter
  2. Sterbeurkunde des Gatten
  3. Geburtsurkunde der Kindesmutter
  4. Meldebestätigung/Meldezettel der Kindesmutter über den Hauptwohnsitz
  5. Staatsbürgerschaftsnachweis der Kindesmutter (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

Falls gewünscht: jeweils (a, b, c, d) den Nachweis über die berechtigte Führung eines akademischen Grades sowie der Standesbezeichnung „Ingenieur“.

Achtung!
Ein Kind wird als ehelich vermutet, wenn es während der Ehe oder vor Ablauf des 300. Tages nach dem Tod des Ehemannes der Mutter geboren wird. Diese Vermutung kann nur durch eine gerichtliche Entscheidung widerlegt werden. Wird ein Kind nach der Scheidung, Aufhebung oder Nichtigerklärung der Ehe geboren oder nach Ablauf des 300. Tages nach dem Tod des Ehemannes der Mutter, so wird vermutet, dass es unehelich ist.
Die Geburtsurkunde eines Kindes, dessen Mutter nicht verheiratet ist, enthält üblicherweise keine Angaben über den Kindesvater. Soll auch der Kindesvater in der Geburtsurkunde aufscheinen, so müsste der Kindesvater persönlich die Vaterschaft bei einem Standesamt (sinnvoll bei jenem Standesamt, bei dem die Geburt des Kindes beurkundet wird/wurde) oder Jugendwohlfahrtsträger (früher „Jugendamt“) anerkennen.
Für die Beurkundung der Vaterschaftsanerkennung sind vom Kindesvater folgende Dokumente persönlich zum Standesamt oder Jugendwohlfahrtsträger mitzubringen:

  • Geburtsurkunde
  • Meldebestätigung/Meldezettel über den Hauptwohnsitz
  • Lichtbildausweis
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

Hinweis: Seit 01.07.2001 gibt es auch die Möglichkeit die Vaterschaft zu einem ehelichen/unehelichen Kind anzuerkennen, selbst wenn bereits ein Vater im Geburtenbuch des Kindes feststeht. Allerdings wird dieses Vaterschaftsanerkenntnis erst wirksam, wenn die Kindesmutter den Anerkennenden als Vater des Kindes bezeichnet und das Kind dem Anerkenntnis zustimmt. Für minderjährige Kinder muss der Jugendwohlfahrtsträger (Jugendamt) die Zustimmung erteilen.

Falls gewünscht: Nachweis über die berechtigte Führung eines akademischen Grades sowie der Standesbezeichnung „Ingenieur“.

Allen Urkunden und Dokumenten, die nicht in deutscher Sprache ausgestellt sind, ist eine Übersetzung eines in Österreich allgemein beeideten gerichtlichen Dolmetschers beizulegen.

Im Ausland errichtete öffentl. Urkunden bedürfen gegebenenfalls der Beisetzung einer Apostille oder einer innerstaatlichen Beglaubigung mit abschließender Überbeglaubigung durch die österr. Vertretungsbehörde im betreffenden ausländischen Staat!

Sämtliche Dokumente sind im Original vorzulegen(werden sofort nach durchgeführter Beurkundung an die Partei retourniert)!

Gilt für fremde Staatsangehörige:
In manchen Ländern ist auch die Zustimmung der Kindesmutter zum Vaterschaftsanerkenntnis erforderlich. In solchen Fällen ist die vorherige Kontaktaufnahme mit dem Standesamt ratsam!

4. Heiraten

Sie wollen heiraten-was ist zu tun?

Dazu kann gesagt werden, dass es in Österreich das Recht auf freie Wahl des Eheschließungsortes gibt, d.h. Sie können sich aussuchen, bei welchem Standesamt Sie die Ehe schließen wollen.

Allerdings muss vor jeder Eheschließung eine Ermittlung der Ehefähigkeit durchgeführt werden, bei der an Hand von Dokumenten überprüft wird, ob ein Ehehindernis grundgegeben ist (solche Gründe könnten z.B. sein: Eine Vorehe ist noch nicht rechtskräftig aufgelöst oder es liegt ein Verwandtschaftsverhältnis in gerader Linie vor. Oder der Bräutigam/die Braut hat das heiratsfähige Alter noch nicht erreicht).

Die  Niederschrift zur Ermittlung der Ehefähigkeit hat bei jenem Standesamt zu erfolgen, das für den Wohnort der Braut oder des Bräutigams zuständig ist. Dort können Sie den Wunsch äußern, bei welchem Standesamt Sie heiraten möchten.

Folgende Dokumente sind zum Standesamt des Wohnortes bereits mitzubringen:

Die Brautleute sind österreichische Staatsbürger:

a)  beide sind noch ledig:

  1. Geburtsurkunde
  2. ev. Heiratsurkundeder Eltern bzw. bei unehelich Geborenen die Geburtsurkunde der Mutter (falls leicht beschaffbar).
  3. Meldezettel oder Meldebestätigung über den Hauptwohnsitz.
  4. Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremden Staatsangehörigen: Reisepass)
  5. Lichtbildausweis (Reisepass, Führerschein etc.)
  6. Falls gewünscht: Nachweis über die Berechtigung zur Führung eines akademischen Grades sowie der Standesbezeichnung „Ingenieur“.

b)  falls die Braut/der Bräutigam oder beide bereits verheiratet war/waren und die Vorehe(n) durch Scheidung oder Nichtigerklärung aufgelöst wurde(n), zusätzlich:

  • Heiratsurkunde(n) der Vorehe(n)
  • Ehescheidungsurteil(e), Eheaufhebungs-urteil(e) oder Ehenichtigkeitsurteil(e) mit materiellem Rechtskraftvermerk. 

c)  falls die Braut/der Bräutigam oder beide bereits verheiratet war/waren und die Vorehe(n) durch Tod des Ehegatten aufgelöst wurde(n), zusätzlich:

  • Sterbeurkunde oder die Todeserklärung

d)  falls die Brautleute (ein) gemeinsame(s), voreheliche(s) Kind(er) haben, zusätzlich:

  • Geburtsurkunde(n) des/derKindes(r), allenfalls das Vaterschaftsanerkenntnis.

e)  falls die Braut/der Bräutigam noch nicht ehemündig ist, zusätzlich zu a) 1-5:

  • den Gerichtsbeschluss über die Ehemündigerklärung (eine Person die das 16. Lebensjahr vollendet hat, kann auf Antrag vom Gericht für ehemündig erklärt werden, wenn sie für diese Ehereif erscheint und der künftige Ehegatte voll jährig (vollendetes18. Lebensjahr) ist.
  • Brautleute vor dem vollendeten 18. Lebensjahr zusätzlich zur  Ehemündigerklärung, die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters und der Person, der Pflege und Erziehung zu stehen oder den Gerichtsbeschluss, mit dem die Einwilligung ersetzt wird.

Die Brautleute sind fremde Staatsangehörige: (zusätzlich zu den oben angeführten Urkunden):

  • Ehefähigkeitszeugnis der Ledigkeitsbescheinigung oder Familienstandsbescheinigung der zuständigen Heimatbehörde bzw. der Vertretungsbehörde des Heimatstaates in Österreich (Konsulat), sofern dieser Staat solche Urkunden ausstellt (Urkunde darf nicht älter als 6 Monate sein!)

Gilt für österreichische Staatsbürger sowie für fremde Staatsangehörige:

Sämtliche Dokumente sind im Original vorzulegen (werden sofort nach durchgeführter Amtshandlung an die Partei retourniert)!

Allen Urkunden und Dokumenten, die nicht in deutscher Sprache ausgestellt sind,ist eine Übersetzung eines in Österreich allgemein beeideten gerichtlichen Dolmetschers beizulegen.
Hinweis: Im Ausland errichtete öffentl. Urkunden bedürfen gegebenenfalls der Beisetzung einer Apostille oder einer innerstaatlichen Beglaubigung mit abschließender Überbeglaubigung durch die österreichische Vertretungsbehörde im betreffenden ausländischen Staat.

Wichtig!!!
Falls Sie im  Ausland die Eheschließen möchten, sollten Sie sich unbedingt vorher mit Ihrem zuständigen Standesamt in Verbindung setzen!

5. Todesfall/Totgeburt

Anmeldung eines Sterbefalles - Welche Unterlagen sind wo vorzulegen?

Am einfachsten ist es, folgende Dokumente des/der Verstorbenen entweder bei der für die Beerdigung beauftragten Bestattung oder beim Standesamt, bei dem der Tod beurkundet wird, abzugeben:

a)  Der/die Vestorbene war ledig:

  • Geburtsurkunde
  • Meldebestätigung/Meldezettel über den Hauptwohnsitz
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

b) Der/die Vestorbene war verheiratet:

  • Geburtsurkunde
  • Meldebestätigung/Meldezettel über den Hauptwohnsitz
  • Heiratsurkunde der letzten Ehe
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

c) Der/die Verstorbene war geschieden:

  • Geburtsurkunde
  • Meldebestätigung/Meldezettel überden Hauptwohnsitz
  • Heiratsurkunde der letzten Ehe
  • Scheidungsbeschluss oder – urteil über die Auflösung dieser Ehe
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

d) Der/die Verstorbene war verwitwet:

  • Geburtsurkunde
  • Meldebestätigung/Meldezettel über den Hauptwohnsitz
  • Heiratsurkunde der letzten Ehe
  • Sterbeurkunde des Gatten
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass)

Anzeige einer Totgeburt

Für die Beurkundung sind folgende Dokumente entweder beim Standesamt, im Allg. öffentl. Krankenhaus oder bei der jeweiligen Bestattung vorzulegen:

Für die Beurkundung werden benötigt:

  • Heiratsurkunde der Eltern des ehelichen Kindes oder Geburtsurkunde (gegebenenfalls auch Heiratsurkunde) der Mutter des unehelichen Kindes; gegebenenfalls der Nachweis der Auflösung der Ehe
  • Meldezettel über den Hauptwohnsitz der Eltern (Mutter)
  • Staatsbürgerschaftsnachweis der Eltern (Mutter), bei fremder Staatsangehörigkeit: Reisepass

Allen Urkunden und Dokumenten, die nicht in deutscher Sprache ausgestellt sind, ist eine Übersetzung eines in Österreich allgemein beeideten gerichtlichen Dolmetschers beizulegen.
Sämtliche Dokumente sind im Original vorzulegen (werden sofort nach durch geführter Beurkundung an die Partei retourniert).

end faq